Sprachwandel: Wie sich die deutsche Sprache verändert
Du lernst, wie und warum sich Sprache verändert, von Lautwandel über Anglizismen bis zur Jugendsprache, und wie man Sprachwandel sachlich beurteilt.
Worum es geht
Sprache ist nicht fest, sie verändert sich ständig. Ein Text aus dem Mittelalter ist für uns kaum noch verständlich, und selbst Texte von 1900 klingen heute altmodisch. Diese Veränderung nennt man Sprachwandel.
Ebenen des Sprachwandels
- Wortschatz: Neue Wörter entstehen (Smartphone, googeln), alte verschwinden oder werden selten (Backfisch, Oheim).
- Bedeutung: Wörter ändern ihre Bedeutung. „Geil“ bedeutete früher üppig wachsend oder lüstern, heute in der Umgangssprache großartig. „Weib“ war früher neutral und ist heute abwertend.
- Grammatik: Formen vereinfachen sich, etwa wird der Genitiv im Alltag oft durch „von“ ersetzt. Starke Verben werden manchmal schwach („backte“ statt „buk“).
- Aussprache und Schreibung: Lautwandel über Jahrhunderte, Rechtschreibreformen wie die von 1996, die mit Änderungen 2006 verbindlich wurde.
Ursachen
- Kontakt mit anderen Sprachen: Latein im Mittelalter, Französisch im 17. und 18. Jahrhundert, Englisch heute (Anglizismen wie Meeting, downloaden)
- Technik und Gesellschaft: Neue Dinge brauchen neue Wörter.
- Sprachökonomie: Sprecher verkürzen, was sie oft benutzen (Kita, Abi).
- Gruppensprachen: Jugendsprache, Fachsprachen und Dialekte prägen die Standardsprache.
Jugendsprache
Jugendliche nutzen eigene Wörter und Wendungen, um sich abzugrenzen und Zugehörigkeit zu zeigen. Viele Ausdrücke verschwinden schnell wieder, einige gehen in die Alltagssprache ein. Der Langenscheidt-Verlag kürt seit 2008 ein „Jugendwort des Jahres“.
Sprachverfall oder Wandel?
Kritiker sprechen von Sprachverfall, etwa bei Anglizismen oder im Chat-Stil. Die Sprachwissenschaft beschreibt Sprachwandel dagegen meist wertneutral: Sprache passt sich den Bedürfnissen ihrer Sprecher an. In Erörterungen solltest du beide Sichtweisen kennen und deine Position begründen.
Merksatz
Sprachwandel betrifft Wortschatz, Bedeutung, Grammatik und Aussprache. Ursachen sind Sprachkontakt, Technik, Sprachökonomie und Gruppensprachen. Die Sprachwissenschaft beschreibt Wandel meist wertneutral.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
- Der Genitiv wird durch den Dativ ersetzt.
- Das betrifft den Satzbau und die Formen.
Ergebnis Grammatischer Wandel, typisch für die gesprochene Umgangssprache. In formellen Texten gilt weiterhin der Genitiv als Standard.
Beispiel 2
- Früher bedeutete billig angemessen oder recht (erhalten in „recht und billig“).
- Heute bedeutet es preiswert, oft auch minderwertig.
Ergebnis Bedeutungswandel: Das Wort hat seine Bedeutung verschoben und teilweise eine abwertende Färbung bekommen.
Übungen
Nenne drei Anglizismen aus deinem Alltag.
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Zum Beispiel Handy (ein Scheinanglizismus), Meeting, Download.
Was versteht man unter Sprachökonomie?
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Die Tendenz, Sprache zu verkürzen und zu vereinfachen, etwa durch Abkürzungen wie Kita oder Uni.
Warum entwickeln Jugendliche eine eigene Sprache?
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Zur Abgrenzung von Erwachsenen und um Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe zu zeigen.
Hier passieren die meisten Fehler
Jeder Sprachwandel wird pauschal als Verfall bewertet.
Sprachwandel ist normal und begleitet jede lebendige Sprache. Bewertungen müssen begründet werden.
„Handy“ wird für ein englisches Wort gehalten.
Im Englischen heißt das Gerät mobile phone oder cell phone. „Handy“ ist ein Scheinanglizismus.
Hinweis zur Klassenstufe
Die Einordnung in Klasse 13 folgt verbreiteten Lehrplänen. Maßgeblich ist, was deine Lehrkraft für die Arbeit angekündigt hat.