Die textgebundene Erörterung
Du lernst, die Argumentation eines Textes wiederzugeben, zu prüfen und dich begründet dazu zu positionieren.
Schritt für Schritt erklärt
Bei der textgebundenen Erörterung gehst du von einem vorgegebenen Sachtext aus, meist einem Kommentar oder Essay. Du arbeitest erst heraus, wie der Autor argumentiert, und setzt dich dann kritisch mit seiner Position auseinander.
Zwei Teile
Teil 1: Analyse der Argumentation
- Einleitung mit Textsorte, Titel, Autor, Quelle, Jahr und Thema
- Hauptthese des Autors
- Argumente und Belege in ihrer Reihenfolge
- Argumentationsweise: Wie überzeugt der Autor? Mit Fakten, Beispielen, Autoritäten, Emotionen?
- Sprachliche Mittel, sofern sie die Argumentation stützen
Teil 2: Erörterung
- Prüfe die Argumente: Sind sie stichhaltig, vollständig, gut belegt?
- Bringe eigene Argumente ein, die den Autor stützen oder ihm widersprechen.
- Komme zu einem begründeten Urteil.
Argumente prüfen
Hilfreiche Fragen:
- Ist das Beispiel verallgemeinerbar oder ein Einzelfall?
- Sind die Zahlen aktuell und aus einer seriösen Quelle?
- Werden Gegenargumente berücksichtigt?
- Gibt es Widersprüche oder Lücken?
Formulierungen
- Wiedergabe: Der Autor vertritt die These, dass … Er begründet dies mit … Als Beleg führt er an …
- Bewertung: Dieses Argument überzeugt nur teilweise, weil … Dem ist entgegenzuhalten, dass … Zuzustimmen ist dem Autor, wenn …
Indirekte Rede
Bei der Wiedergabe der Positionen des Autors verwendest du den Konjunktiv I: Der Autor meint, Schule müsse sich stärker digitalisieren.
Das musst du dir merken
Erst die Argumentation des Textes sachlich wiedergeben (These, Argumente, Belege, Strategie), dann prüfen, eigene Argumente einbringen und ein begründetes Urteil fällen.
Beispiele mit Lösungsweg
Beispiel 1
- Konjunktiv I: seien, sollten (hier Konjunktiv II als Ersatz, da Konjunktiv I „sollen“ dem Indikativ gleicht)
Ergebnis Der Autor vertritt die These, Hausaufgaben seien überflüssig und sollten abgeschafft werden.
Beispiel 2
- Die Umfrage umfasst nur eine Klasse und ist nicht repräsentativ.
- „Alle“ ist eine Verallgemeinerung.
- Ob Schüler etwas mögen, sagt nichts über den Lernerfolg aus.
Ergebnis Das Argument ist schwach: Es beruht auf einer kleinen Stichprobe, verallgemeinert unzulässig und verwechselt Beliebtheit mit Nutzen.
Übungsaufgaben mit Lösungen
Was ist der Unterschied zwischen Analyse und Erörterung in dieser Aufgabe?
Lösung anzeigen
Die Analyse gibt die Argumentation des Autors sachlich wieder, die Erörterung bewertet sie und bringt eigene Argumente ein.
Nenne zwei Fragen, mit denen du ein Argument prüfst.
Lösung anzeigen
Ist der Beleg repräsentativ? Werden Gegenargumente berücksichtigt?
Formuliere einen Satz, mit dem du einem Autor teilweise zustimmst.
Lösung anzeigen
Dem Autor ist zuzustimmen, dass …, allerdings übersieht er, dass …
Typische Fehler
In Teil 1 wird schon die eigene Meinung eingebracht.
Teil 1 ist eine sachliche Analyse. Die Bewertung folgt in Teil 2.
In Teil 2 werden nur die Argumente des Autors wiederholt.
Es braucht eine kritische Prüfung und eigene Argumente.
Hinweis zur Klassenstufe
In welcher Klasse genau dieses Thema drankommt, unterscheidet sich zwischen den Ländern. Klasse 10 ist der häufigste Zeitpunkt.