Drama und Szenenanalyse
Du lernst den Aufbau klassischer Dramen nach Freytag, die Merkmale von geschlossenem und offenem Drama und gehst bei einer Szenenanalyse vor.
So funktioniert es
Ein Drama ist ein Text, der für die Aufführung auf einer Bühne geschrieben ist. Es besteht vor allem aus Figurenrede: Dialogen (Gespräch mehrerer Figuren) und Monologen (eine Figur spricht allein). Hinzu kommen Regieanweisungen, die Bühnenbild, Gestik und Tonfall beschreiben. Dramen sind in Akte (Aufzüge) und Szenen (Auftritte) gegliedert.
Der klassische Aufbau (Freytag)
Der Schriftsteller Gustav Freytag beschrieb 1863 den Aufbau des klassischen Fünf-Akte-Dramas als Pyramide:
- Exposition: Einführung in Ort, Zeit, Figuren und Konflikt
- Steigende Handlung mit erregendem Moment: Der Konflikt bricht aus.
- Höhepunkt und Peripetie: Wendepunkt der Handlung
- Fallende Handlung mit retardierendem Moment: Eine Verzögerung lässt noch einmal hoffen.
- Katastrophe (in der Tragödie) bzw. Lösung (in der Komödie)
Geschlossenes und offenes Drama
| geschlossene Form | offene Form |
|---|---|
| fünf Akte, streng gebaut | viele lose Szenen |
| Einheit von Ort, Zeit, Handlung | häufige Ortswechsel, lange Zeiträume |
| wenige, oft hochgestellte Figuren | viele Figuren aus allen Schichten |
| gehobene, oft gebundene Sprache | Alltagssprache, Dialekt |
| Beispiel: Schillers „Maria Stuart“ | Beispiel: Büchners „Woyzeck“ |
Episches Theater
Bertolt Brecht entwickelte im 20. Jahrhundert das epische Theater. Der Zuschauer soll sich nicht einfühlen, sondern kritisch nachdenken. Dazu dienen Verfremdungseffekte: Songs, Spruchbänder, Figuren, die das Publikum direkt ansprechen.
Szenenanalyse
- Einleitung: Titel, Autor, Jahr, Gattung, Einordnung der Szene in den Handlungsverlauf
- Inhalt der Szene knapp
- Gesprächsverlauf: Wer spricht wie viel? Wer bestimmt das Gespräch? Wie verändert sich die Beziehung?
- Sprache: Satzbau, Wortwahl, Stilmittel, Redeanteile, Pausen, Regieanweisungen
- Bedeutung der Szene für das Gesamtdrama
Kurz gemerkt
Klassischer Aufbau nach Freytag: Exposition, steigende Handlung, Höhepunkt mit Peripetie, fallende Handlung, Katastrophe. Geschlossene Form: streng, einheitlich. Offene Form: viele Szenen, Alltagssprache. In der Szenenanalyse Gesprächsverlauf, Sprache und Bedeutung untersuchen.
So sieht es in der Praxis aus
Beispiel 1
- Einführung in Figuren und Konflikt
Ergebnis Exposition
Beispiel 2
- viele Szenen, Ortswechsel, einfache Figur, Alltagssprache
Ergebnis offene Form (wie in Büchners „Woyzeck“)
Jetzt bist du dran
Was ist die Peripetie?
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Der Wendepunkt der Handlung, meist im dritten Akt.
Was soll der Verfremdungseffekt bei Brecht bewirken?
Lösung anzeigen
Der Zuschauer soll sich nicht einfühlen, sondern das Gezeigte kritisch betrachten.
Was gehört in die Einleitung einer Szenenanalyse?
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Titel, Autor, Jahr, Gattung und die Einordnung der Szene in die Handlung.
Häufige Fehler vermeiden
Regieanweisungen werden in der Analyse ignoriert.
Sie zeigen Gestik, Tonfall und Stimmung und sind wichtige Belege.
Die Szene wird ohne Bezug zum Gesamtdrama analysiert.
Die Bedeutung der Szene für den Handlungsverlauf gehört zur Analyse.
Hinweis zur Klassenstufe
Dieses Thema steht in vielen Bundesländern in Klasse 10 auf dem Lehrplan. Je nach Land und Schulform kann es früher oder später kommen.