Literaturepoche Weimarer Klassik
Du lernst die Weimarer Klassik mit Goethe und Schiller kennen: Humanität, Harmonie und Maß, mit Werken wie „Iphigenie auf Tauris“ und „Faust I“.
Erklärung
Als Weimarer Klassik bezeichnet man die Zeit, in der Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller in Weimar wirkten und eng zusammenarbeiteten. Sie wird meist von 1786 (Beginn von Goethes Italienreise) bis 1805 (Schillers Tod) datiert, manchmal bis zu Goethes Tod 1832.
Zentrale Ideen
- Humanität: Ideal des edlen, guten Menschen, der Verstand und Gefühl in Einklang bringt
- Harmonie und Maß statt der Leidenschaft des Sturm und Drang
- Antike als Vorbild: Die griechische Kunst galt als Inbegriff von Schönheit und Ordnung. Johann Joachim Winckelmann prägte die Formel „edle Einfalt und stille Größe“.
- Ästhetische Erziehung: Schiller meinte, dass Kunst den Menschen zur Freiheit und Sittlichkeit erziehen könne („Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, 1795).
- Pflicht und Neigung sollen im „schönen Menschen“ übereinstimmen.
Wichtige Werke
- „Iphigenie auf Tauris“ (Goethe, Versfassung 1787): Iphigenie überwindet einen Konflikt nicht durch List, sondern durch Wahrhaftigkeit und Vertrauen in die Menschlichkeit des Königs Thoas.
- „Wilhelm Tell“ (Schiller, 1804): Drama über den Freiheitskampf der Schweizer.
- „Maria Stuart“ (Schiller, 1800): Tragödie um die schottische Königin und ihre Rivalin Elisabeth.
- „Faust. Der Tragödie erster Teil“ (Goethe, 1808): Der Gelehrte Faust schließt eine Wette mit Mephisto, um zu erkennen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.
- Gedichte wie „Das Göttliche“ (Goethe): „Edel sei der Mensch, hülfreich und gut!“
- Balladen des Balladenjahres 1797
Form
Die Klassik bevorzugte strenge, ausgewogene Formen: geschlossenes Drama, oft im Blankvers (fünfhebiger Jambus ohne Reim), und gehobene Sprache.
Abgrenzung
Gegenüber dem Sturm und Drang steht Maß statt Maßlosigkeit, gegenüber der Romantik Klarheit und Ordnung statt Sehnsucht und Fantasie.
Das musst du dir merken
Weimarer Klassik (etwa 1786 bis 1805): Goethe und Schiller, Humanität, Harmonie und Maß, Antike als Vorbild, strenge Form. Schlüsselwerke: „Iphigenie auf Tauris“, „Wilhelm Tell“, „Faust I“.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
- Iphigenie könnte mit einer Lüge fliehen.
- Sie entscheidet sich, Thoas die Wahrheit zu sagen, und vertraut auf seine Menschlichkeit.
- Thoas lässt sie gehen.
Ergebnis Wahrhaftigkeit und Vertrauen in das Gute im Menschen lösen den Konflikt. Das ist das Humanitätsideal der Klassik.
Beispiel 2
- Betonungen: he-RAUS in EU-re SCHAT-ten, RE-ge WIP-fel
- fünf Hebungen, unbetont-betont, kein Reim
Ergebnis Blankvers (fünfhebiger Jambus, hier mit weiblicher Kadenz)
Übungen
Welche Zeitspanne umfasst die Weimarer Klassik meist?
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1786 bis 1805.
Was bedeutet „edle Einfalt und stille Größe“?
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Winckelmanns Beschreibung antiker Kunst, die als Ideal von Ruhe, Klarheit und Würde galt.
Was ist ein Blankvers?
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Ein reimloser fünfhebiger Jambus.
Hier passieren die meisten Fehler
Die Klassik wird als Epoche wilder Leidenschaft beschrieben.
Das trifft auf den Sturm und Drang zu. Die Klassik strebt nach Maß und Harmonie.
„Die Räuber“ wird als klassisches Drama genannt.
„Die Räuber“ gehört zum Sturm und Drang. Schillers klassische Dramen sind zum Beispiel „Maria Stuart“ und „Wilhelm Tell“.
Hinweis zur Klassenstufe
In welcher Klasse genau dieses Thema drankommt, unterscheidet sich zwischen den Ländern. Klasse 12 ist der häufigste Zeitpunkt.