Literatur nach 1945: Trümmerliteratur bis Gegenwart
Du lernst die wichtigsten Strömungen der deutschsprachigen Literatur seit 1945 kennen, von der Trümmerliteratur über die Gruppe 47 bis zur Wende- und Gegenwartsliteratur.
Das Wichtigste verständlich erklärt
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 standen Schriftsteller vor der Frage, wie man nach Krieg, Nationalsozialismus und Holocaust überhaupt noch schreiben kann. Die Sprache selbst war durch die Propaganda belastet.
Trümmerliteratur und Kahlschlag
Unmittelbar nach dem Krieg entstand die Trümmerliteratur. Sie beschreibt Zerstörung, Hunger, Heimkehr und Schuld in knapper, nüchterner Sprache. Man sprach auch von Kahlschlag: Die Sprache sollte von Pathos und Ideologie befreit werden. Wichtige Texte sind Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ (1947), seine Kurzgeschichten wie „Das Brot“ und Günter Eichs Gedicht „Inventur“, das nur die wenigen Habseligkeiten eines Kriegsgefangenen aufzählt.
Gruppe 47
1947 gründete Hans Werner Richter die Gruppe 47, einen lockeren Kreis von Autoren, die sich jährlich trafen und neue Texte diskutierten. Dazu gehörten unter anderen Heinrich Böll, Günter Grass, Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger. Die Gruppe prägte die Literatur der Bundesrepublik bis in die 1960er-Jahre.
Vergangenheitsbewältigung
Viele Werke setzten sich mit der NS-Zeit auseinander: Günter Grass' „Die Blechtrommel“ (1959), Paul Celans Gedicht „Todesfuge“ (entstanden um 1944/45), das den Holocaust in eindringlichen Bildern thematisiert, oder Heinrich Bölls Erzählungen und Romane.
Literatur in der DDR
In der DDR sollte Literatur zunächst dem sozialistischen Realismus folgen und den Aufbau des Sozialismus unterstützen. Später übten Autoren wie Christa Wolf („Der geteilte Himmel“, 1963) und Ulrich Plenzdorf („Die neuen Leiden des jungen W.“, 1972) vorsichtige Kritik. Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 verließen viele Künstler das Land.
Politisierung und Neue Subjektivität
In den 1960er-Jahren wurde die Literatur politischer (Dokumentartheater, etwa Peter Weiss' „Die Ermittlung“ über den Frankfurter Auschwitz-Prozess). In den 1970er-Jahren rückten unter dem Stichwort Neue Subjektivität wieder persönliche Erfahrungen in den Vordergrund.
Wende- und Gegenwartsliteratur
Nach dem Fall der Mauer 1989 entstand die Wendeliteratur über die Wiedervereinigung und das Ende der DDR. Die Gegenwartsliteratur ist vielfältig: Themen sind unter anderem Migration, Identität, Erinnerung und Digitalisierung.
Das musst du dir merken
Nach 1945: Trümmerliteratur und Kahlschlag (Borchert, Eich), Gruppe 47 (Böll, Grass, Bachmann), Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, Literatur der DDR, Politisierung in den 1960ern, Wendeliteratur nach 1989.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
- Das Gedicht zählt nüchtern die wenigen Gegenstände eines Gefangenen auf: Mütze, Mantel, Rasierzeug.
- Es verzichtet auf Pathos, Reim und schmückende Bilder.
Ergebnis Die einfache, nüchterne Sprache zeigt den Neuanfang nach 1945 und die Abkehr von der belasteten Sprache der Propaganda.
Beispiel 2
- Werk: „Die neuen Leiden des jungen W.“
- Autor: Ulrich Plenzdorf, 1972
Ergebnis Literatur der DDR, Ulrich Plenzdorf
Übungen
Was meint der Begriff Trümmerliteratur?
Lösung anzeigen
Literatur der ersten Nachkriegsjahre über Zerstörung, Hunger, Heimkehr und Schuld in nüchterner Sprache.
Wer gründete die Gruppe 47 und wann?
Lösung anzeigen
Hans Werner Richter, 1947.
Welches Gedicht von Paul Celan thematisiert den Holocaust?
Lösung anzeigen
„Todesfuge“.
Darauf solltest du achten
Die Gruppe 47 wird als Verlag oder Partei bezeichnet.
Sie war ein lockerer Kreis von Schriftstellern, die sich zu Lesungen und Diskussionen trafen.
Die Literatur der DDR wird als durchgehend staatstreu beschrieben.
Viele Autoren übten, oft verschlüsselt, Kritik. Manche wurden deshalb verfolgt oder ausgebürgert.
Hinweis zur Klassenstufe
Dieses Thema steht in vielen Bundesländern in Klasse 13 auf dem Lehrplan. Je nach Land und Schulform kann es früher oder später kommen.