Historische Quellen analysieren
Du lernst, Quellen und Darstellungen zu unterscheiden, Text- und Bildquellen systematisch zu analysieren und ihre Aussagekraft kritisch zu beurteilen.
So funktioniert es
Geschichte kann man nicht direkt beobachten. Was wir über die Vergangenheit wissen, beruht auf Quellen. Sie richtig auszuwerten, ist die wichtigste Methode des Geschichtsunterrichts.
Quelle oder Darstellung?
- Quellen stammen aus der Zeit, um die es geht: ein Brief von 1914, ein Gesetzestext, ein Foto, eine Münze.
- Darstellungen sind spätere Deutungen von Historikern, Schulbuchtexte, Dokumentationen.
Quellenarten
- Textquellen: Urkunden, Briefe, Tagebücher, Reden, Zeitungsartikel, Gesetze
- Bildquellen: Gemälde, Fotos, Karikaturen, Plakate
- Sachquellen: Gebäude, Werkzeuge, Waffen, Kleidung, Münzen
- mündliche Quellen: Interviews mit Zeitzeugen (Oral History)
Man unterscheidet außerdem Traditionsquellen, die absichtlich für die Nachwelt geschaffen wurden (etwa Chroniken, Denkmäler), und Überrestquellen, die unabsichtlich überliefert sind (etwa Rechnungen, Alltagsgegenstände).
Schritte der Textquellenanalyse
- Einleitung (äußere Merkmale): Wer ist der Verfasser? Wann und wo entstand die Quelle? Um welche Textsorte handelt es sich? An wen richtet sie sich? Was ist das Thema?
- Inhalt: Was sagt die Quelle aus? Gliedere sie in Sinnabschnitte und gib die Kernaussagen mit eigenen Worten und Zeilenangaben wieder.
- Analyse und Einordnung: Ordne die Quelle in den historischen Zusammenhang ein. Welche Absicht verfolgt der Verfasser? Welche Sprache verwendet er? Welche Perspektive nimmt er ein?
- Beurteilung: Wie glaubwürdig und aussagekräftig ist die Quelle? Was verschweigt sie? Wie lässt sie sich aus heutiger Sicht bewerten?
Quellenkritik
Jede Quelle ist standortgebunden: Sie zeigt die Sicht ihres Verfassers. Ein Bericht eines Siegers über eine Schlacht wird anders ausfallen als der eines Verlierers. Deshalb fragt man:
- Was konnte der Verfasser wissen? War er Augenzeuge?
- Welche Interessen hatte er?
- Für wen schrieb er?
Bildquellen und Karikaturen
Bei Bildern gehst du ähnlich vor: Beschreibung (Was ist zu sehen?), Analyse (Symbole, Gestaltung, Absicht), Interpretation (Aussage im historischen Zusammenhang). Bei Fotos ist zu bedenken, dass sie gestellt, ausgewählt oder manipuliert sein können.
Kurz gemerkt
Quellen stammen aus der untersuchten Zeit, Darstellungen sind spätere Deutungen. Textquellenanalyse: äußere Merkmale, Inhalt, Einordnung und Absicht, Beurteilung. Jede Quelle zeigt die Perspektive ihres Verfassers.
Vorgemacht: Beispiele
Beispiel 1
- Er wurde nicht während der Revolution geschrieben, sondern viel später.
- Er deutet die Ereignisse rückblickend.
Ergebnis Eine Darstellung. Eine Quelle wäre zum Beispiel die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789.
Beispiel 2
- Es zeigt nicht die Wirklichkeit, sondern was die Partei vermitteln wollte.
- Es ist aber eine wertvolle Quelle für die Methoden und Botschaften der NS-Propaganda.
Ergebnis Als Abbild der Realität wenig glaubwürdig, als Quelle für Propaganda und ihre Wirkungsabsicht sehr aussagekräftig.
Selbst üben
Nenne zwei Beispiele für Sachquellen.
Lösung anzeigen
Zum Beispiel eine römische Münze und eine Ritterrüstung.
Was ist der Unterschied zwischen Tradition und Überrest?
Lösung anzeigen
Tradition wurde absichtlich für die Nachwelt geschaffen, Überreste sind unabsichtlich erhalten.
Welche Fragen gehören zur Quellenkritik?
Lösung anzeigen
Wer schrieb, wann, für wen, mit welchem Wissen und welcher Absicht?
Typische Fehler
Quellen werden als objektive Wahrheit über die Vergangenheit behandelt.
Jede Quelle ist standortgebunden und muss kritisch geprüft werden.
In der Analyse wird der Inhalt nur nacherzählt.
Zur Analyse gehören die Einordnung in den Zusammenhang, die Absicht des Verfassers und eine Beurteilung.
Hinweis zur Klassenstufe
Dieses Thema steht in vielen Bundesländern in Klasse 11 auf dem Lehrplan. Je nach Land und Schulform kann es früher oder später kommen.