Die europäische Einigung von 1950 bis heute
Du lernst die wichtigsten Stationen der europäischen Integration kennen, von der Montanunion über die Römischen Verträge bis zur Europäischen Union und dem Euro.
Erklärung
Nach zwei Weltkriegen wollten viele Politiker verhindern, dass sich die europäischen Staaten jemals wieder bekriegen. Ihre Antwort war, die Länder wirtschaftlich und politisch so eng zu verflechten, dass ein Krieg zwischen ihnen undenkbar wird.
Anfänge
- 9. Mai 1950: Der französische Außenminister Robert Schuman schlug vor, die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands unter eine gemeinsame Behörde zu stellen. Kohle und Stahl waren die Grundlage jeder Rüstung. Der 9. Mai ist heute Europatag.
- 1951 (in Kraft 1952): Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, Montanunion) durch sechs Staaten: Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Belgien, Niederlande, Luxemburg.
- 1957: Die Römischen Verträge gründeten die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit dem Ziel eines gemeinsamen Marktes sowie die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom).
Wichtige Wegbereiter waren unter anderen Robert Schuman, Jean Monnet, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi.
Erweiterung und Vertiefung
- 1973 traten Großbritannien, Irland und Dänemark bei, in den 1980er-Jahren Griechenland, Spanien und Portugal.
- 1979: erste Direktwahl des Europäischen Parlaments
- 1985: Das Schengener Abkommen bereitete den Wegfall der Grenzkontrollen vor.
- 1992: Der Vertrag von Maastricht (in Kraft 1993) gründete die Europäische Union und legte die Grundlage für eine gemeinsame Währung.
- 2002: Der Euro wurde als Bargeld eingeführt (als Buchgeld bereits 1999).
- 2004 und 2007: Große Osterweiterung, unter anderem um Polen, Tschechien, Ungarn und die baltischen Staaten
- 2007: Vertrag von Lissabon (in Kraft 2009), der die Institutionen reformierte
- 2020: Austritt des Vereinigten Königreichs (Brexit) am 31. Januar 2020
Heute hat die EU 27 Mitgliedstaaten.
Die Organe der EU
- Europäisches Parlament: direkt gewählt, beschließt zusammen mit dem Rat Gesetze und den Haushalt
- Rat der Europäischen Union: Fachminister der Mitgliedstaaten
- Europäischer Rat: Staats- und Regierungschefs, legt die politische Richtung fest
- Europäische Kommission: schlägt Gesetze vor und überwacht ihre Umsetzung
- Europäischer Gerichtshof: sichert die einheitliche Auslegung des EU-Rechts
Erfolge und Kritik
Die EU hat Frieden zwischen ihren Mitgliedern gesichert, einen großen Binnenmarkt geschaffen und Reisen, Arbeiten und Studieren in anderen Ländern erleichtert. 2012 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Kritiker bemängeln komplizierte Entscheidungswege, Bürgerferne und Konflikte über Finanzen, Migration und Rechtsstaatlichkeit.
Merke
Europäische Einigung: Schuman-Erklärung 1950, Montanunion 1951/52, Römische Verträge 1957 (EWG), Maastricht 1992 (EU), Euro-Bargeld 2002, Lissabon 2007, Brexit 2020. Heute 27 Mitgliedstaaten.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
- Kohle und Stahl waren die wichtigsten Rohstoffe für Waffen und Industrie.
- Eine gemeinsame Kontrolle machte heimliche Aufrüstung gegeneinander unmöglich.
- Gleichzeitig förderte sie den wirtschaftlichen Wiederaufbau.
Ergebnis Die Vergemeinschaftung der kriegswichtigen Industrie sollte Krieg zwischen Frankreich und Deutschland verhindern.
Beispiel 2
- Aus der Europäischen Gemeinschaft wurde die Europäische Union.
- Die Zusammenarbeit wurde auf Außen-, Sicherheits-, Justiz- und Innenpolitik ausgeweitet.
- Eine gemeinsame Währung wurde vereinbart.
Ergebnis Er machte aus einer Wirtschaftsgemeinschaft eine politische Union mit dem Ziel des Euro.
Selbst üben
Welche sechs Staaten gründeten die Montanunion?
Lösung anzeigen
Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Belgien, Niederlande, Luxemburg.
Wann wurde der Euro als Bargeld eingeführt?
Lösung anzeigen
2002.
Wie viele Mitgliedstaaten hat die EU heute?
Lösung anzeigen
27.
Hier passieren die meisten Fehler
Die EU wird als von Anfang an bestehend beschrieben.
Sie entstand schrittweise aus der Montanunion (1951) und der EWG (1957), die EU selbst erst 1993.
Europäisches Parlament und Europäischer Rat werden verwechselt.
Das Parlament wird von den Bürgern gewählt, im Europäischen Rat treffen sich die Staats- und Regierungschefs.
Hinweis zur Klassenstufe
Wir ordnen das Thema Klasse 11 zu, weil es dort in den meisten Lehrplänen vorkommt. Bei dir kann die Reihenfolge abweichen.