Der Holocaust: Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden
Du lernst, wie die Nationalsozialisten die Juden Europas entrechteten, deportierten und ermordeten, welche weiteren Opfergruppen es gab und warum die Erinnerung wichtig bleibt.
Die Grundlagen
Als Holocaust (griechisch: vollständig verbrannt) oder Shoah (hebräisch: Katastrophe) bezeichnet man den systematischen, staatlich organisierten Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Etwa sechs Millionen Juden wurden ermordet.
Stufen der Verfolgung
- Ausgrenzung und Entrechtung (ab 1933): Boykott, Berufsverbote, Nürnberger Gesetze (1935), Ausschluss aus Schulen, Vereinen und dem öffentlichen Leben
- Gewalt und Vertreibung (ab 1938): Novemberpogrome, Enteignung („Arisierung“), erzwungene Auswanderung. Viele Länder nahmen nur wenige Flüchtlinge auf.
- Ghettoisierung (ab 1939): In besetzten polnischen Städten wurden Juden in Ghettos eingesperrt, etwa in Warschau und Łódź. Hunger und Krankheiten töteten Hunderttausende.
- Massenmord (ab 1941): Nach dem Überfall auf die Sowjetunion erschossen Einsatzgruppen und andere Einheiten über eine Million Juden, etwa in Babyn Jar bei Kiew, wo im September 1941 innerhalb von zwei Tagen mehr als 33 000 Menschen ermordet wurden.
- Industrialisierter Mord in Vernichtungslagern (ab Ende 1941): In Lagern wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor, Belzec, Chelmno und Majdanek wurden Menschen in Gaskammern ermordet. Allein in Auschwitz wurden rund 1,1 Millionen Menschen getötet, die meisten von ihnen Juden.
Die Wannseekonferenz
Am 20. Januar 1942 trafen sich hohe Beamte und SS-Führer in einer Villa am Berliner Wannsee. Unter Leitung von Reinhard Heydrich koordinierten sie die Organisation der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“, also die Deportation und Ermordung der Juden aus ganz Europa. Die Morde hatten bereits begonnen, die Konferenz diente der Abstimmung zwischen den Behörden.
Weitere Opfer
Die Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten auch:
- Sinti und Roma (Porajmos, mehrere Hunderttausend Opfer)
- Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen (Krankenmorde, „Aktion T4“, über 200 000 Opfer)
- sowjetische Kriegsgefangene (rund drei Millionen starben in deutschem Gewahrsam)
- politische Gegner, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und als „asozial“ Verfolgte
- Millionen Zivilisten in den besetzten Gebieten Ost- und Südosteuropas
Täter, Zuschauer, Helfer
Am Holocaust wirkten viele mit: SS, Polizei, Wehrmacht, Beamte, Ärzte, Reichsbahn, Firmen. Viele Menschen schauten weg oder profitierten. Nur wenige halfen Verfolgten, etwa indem sie sie versteckten. Sie werden in Israel als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
Erinnern
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Lager Auschwitz. Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und seit 2005 Internationaler Holocaust-Gedenktag. Gedenkstätten, Stolpersteine und Berichte von Überlebenden halten die Erinnerung wach. Das Leugnen des Holocaust ist in Deutschland eine Straftat.
Kurz gemerkt
Holocaust (Shoah): staatlich organisierter Mord an etwa sechs Millionen europäischen Juden. Stufen: Entrechtung, Vertreibung, Ghettos, Massenerschießungen, Vernichtungslager wie Auschwitz. Wannseekonferenz am 20. Januar 1942. Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945, heute Gedenktag.
Beispiele
Beispiel 1
- Die Ermordung wurde von Behörden geplant und arbeitsteilig organisiert.
- Deportationszüge, Lager, Gaskammern und Krematorien bildeten ein System.
- Der Mord wurde mit Mitteln der modernen Verwaltung und Technik durchgeführt.
Ergebnis Der Völkermord wurde bürokratisch und technisch organisiert, mit Fahrplänen, Listen und Anlagen zur massenhaften Tötung.
Beispiel 2
- Die Morde an Juden hatten bereits begonnen.
- Hohe Vertreter von Ministerien und SS stimmten die Deportation aus ganz Europa ab.
Ergebnis Sie diente der Koordination und Organisation des bereits beschlossenen Völkermords zwischen den beteiligten Behörden.
Aufgaben zum Üben
Wie viele Juden wurden im Holocaust ermordet?
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Etwa sechs Millionen.
Was erinnert am 27. Januar?
Lösung anzeigen
An die Befreiung des Lagers Auschwitz 1945 und an alle Opfer des Nationalsozialismus.
Nenne zwei weitere Opfergruppen der NS-Verbrechen.
Lösung anzeigen
Zum Beispiel Sinti und Roma und Menschen mit Behinderungen.
Häufige Fehler vermeiden
Es wird angenommen, die meisten Deutschen hätten von der Verfolgung der Juden nichts gewusst.
Entrechtung, Pogrome und Deportationen geschahen öffentlich. Viele wussten von Verbrechen, auch wenn nicht alle Einzelheiten der Vernichtungslager bekannt waren.
Der Holocaust wird nur auf die Vernichtungslager beschränkt.
Über eine Million Juden wurden bei Massenerschießungen ermordet, viele starben in Ghettos.
Hinweis zur Klassenstufe
Dieses Thema steht in vielen Bundesländern in Klasse 10 auf dem Lehrplan. Je nach Land und Schulform kann es früher oder später kommen.