Die Weimarer Republik 1918 bis 1933
Du lernst die erste deutsche Demokratie kennen: ihre Verfassung, ihre Krisenjahre, die „Goldenen Zwanziger“ und die Gründe für ihr Scheitern.
Schritt für Schritt erklärt
Am 9. November 1918 rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann in Berlin die Republik aus. Weil die Nationalversammlung wegen der Unruhen in Berlin in Weimar tagte, nennt man den Staat Weimarer Republik. Sie war die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland.
Die Weimarer Verfassung (1919)
- Reichstag: nach Verhältniswahlrecht gewählt, erstmals durften auch Frauen wählen und gewählt werden (Wahlrecht ab 20 Jahren)
- Reichsregierung: brauchte das Vertrauen des Reichstags
- Reichspräsident: direkt vom Volk für sieben Jahre gewählt, mit großer Macht. Er ernannte den Reichskanzler, konnte den Reichstag auflösen und nach Artikel 48 im Notfall Notverordnungen erlassen.
- Grundrechte waren in der Verfassung verankert.
Schwächen waren das reine Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel, das zu vielen Splitterparteien und instabilen Regierungen führte, und die starke Stellung des Reichspräsidenten („Ersatzkaiser“).
Krisenjahre 1919 bis 1923
- Belastungen: Versailler Vertrag, Dolchstoßlegende, Reparationen
- Angriffe von links und rechts: Spartakusaufstand 1919, Kapp-Putsch 1920, politische Morde an Politikern wie Matthias Erzberger (1921) und Walther Rathenau (1922)
- 1923: Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen, Hyperinflation (im November 1923 kostete ein Brot Milliarden Mark), Hitler-Putsch in München am 9. November 1923
Die „Goldenen Zwanziger“ 1924 bis 1929
Mit der Währungsreform (Rentenmark), dem Dawes-Plan (1924) und amerikanischen Krediten stabilisierte sich die Wirtschaft. Außenminister Gustav Stresemann führte Deutschland mit den Locarno-Verträgen (1925) und dem Beitritt zum Völkerbund (1926) aus der Isolation. Kunst, Film und Kultur blühten, vor allem in Berlin.
Weltwirtschaftskrise und Ende
Der New Yorker Börsenkrach im Oktober 1929 löste eine Weltwirtschaftskrise aus. Amerikanische Kredite wurden zurückgefordert. In Deutschland stieg die Zahl der Arbeitslosen bis Anfang 1932 auf über 6 Millionen.
- 1930 zerbrach die letzte parlamentarische Regierung. Es folgten Präsidialkabinette, die mit Notverordnungen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg regierten.
- Radikale Parteien wuchsen, vor allem die NSDAP und die KPD. Bei der Reichstagswahl im Juli 1932 wurde die NSDAP mit 37,3 Prozent stärkste Partei.
- Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler.
Warum scheiterte die Republik?
Es gab keine einzelne Ursache. Zusammen wirkten: die Belastungen aus Krieg und Versailles, wirtschaftliche Krisen, Schwächen der Verfassung, Gegner der Demokratie in Militär, Justiz und Verwaltung, die Radikalisierung vieler Wähler und die Entscheidungen einflussreicher Konservativer, die Hitler zur Macht verhalfen. Man sprach von einer „Demokratie ohne Demokraten“.
Das musst du dir merken
Weimarer Republik 1918 bis 1933: Ausrufung am 9. November 1918, Verfassung 1919 mit Frauenwahlrecht und starkem Reichspräsidenten (Artikel 48). Krisenjahre bis 1923 (Hyperinflation, Hitler-Putsch), Stabilisierung 1924 bis 1929, Weltwirtschaftskrise ab 1929, Ernennung Hitlers am 30. Januar 1933.
Vorgemacht: Beispiele
Beispiel 1
- Er erlaubte dem Reichspräsidenten, im Notfall ohne Parlament Verordnungen zu erlassen.
- Ab 1930 regierten Kanzler fast nur noch mit solchen Notverordnungen.
- Das Parlament wurde dadurch ausgeschaltet.
Ergebnis Der Notstandsartikel ermöglichte das Regieren am Parlament vorbei und bereitete den Weg in die Diktatur.
Beispiel 2
- Massenarbeitslosigkeit und Not machten viele Menschen verzweifelt.
- Die NSDAP versprach einfache Lösungen und machte Demokraten und Juden zu Sündenböcken.
- Ihr Stimmenanteil stieg von 2,6 Prozent (1928) auf 37,3 Prozent (Juli 1932).
Ergebnis Die Krise trieb viele Wähler zu radikalen Parteien, besonders zur NSDAP.
Selbst üben
Wer rief am 9. November 1918 die Republik aus?
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Philipp Scheidemann.
Was war 1923 in Deutschland besonders dramatisch?
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Die Hyperinflation (auch Ruhrbesetzung und Hitler-Putsch).
Wann wurde Hitler Reichskanzler?
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Am 30. Januar 1933.
Welche neue Gruppe durfte 1919 erstmals wählen?
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Frauen.
Hier passieren die meisten Fehler
Hitler wird als durch eine Wahlmehrheit an die Macht gekommen beschrieben.
Die NSDAP hatte nie eine absolute Mehrheit. Hitler wurde vom Reichspräsidenten zum Kanzler ernannt.
Die Weimarer Republik wird nur als Zeit der Krisen gesehen.
Es gab auch Jahre der Stabilisierung und eine reiche Kultur in den Zwanzigerjahren.
Hinweis zur Klassenstufe
In welcher Klasse genau dieses Thema drankommt, unterscheidet sich zwischen den Ländern. Klasse 10 ist der häufigste Zeitpunkt.