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Geschichte · Klasse 10

Nationalsozialismus: Machtübernahme und Diktatur

Lesezeit etwa 3 Minuten · 2 Beispiele · 4 Übungen · Redaktion Lektion.net · Stand 11.10.2026

Du lernst, wie die Nationalsozialisten 1933/34 ihre Diktatur errichteten, wie sie die Gesellschaft gleichschalteten und welche Ideologie sie verfolgten.

Erklärung

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann die nationalsozialistische Diktatur. Innerhalb weniger Monate beseitigten die Nationalsozialisten die Demokratie. Man spricht von Machtübernahme oder Machtergreifung, wobei der zweite Begriff der NS-Propaganda entstammt.

Die Ideologie

  • Rassismus und Antisemitismus: Die Menschheit wurde in angeblich höher- und minderwertige „Rassen“ eingeteilt. Juden wurden zum Feindbild erklärt.
  • Volksgemeinschaft: Alle „Volksgenossen“ sollten eine Einheit bilden. Ausgeschlossen waren Juden, Sinti und Roma, politische Gegner, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen und andere.
  • Führerprinzip: Der „Führer“ entscheidet allein, alle müssen gehorchen.
  • Lebensraum im Osten: Eroberung Osteuropas auf Kosten der dort lebenden Menschen
  • Ablehnung von Demokratie, Parlamentarismus, Kommunismus und Pazifismus

Schritte zur Diktatur

  • 27./28. Februar 1933: Nach dem Reichstagsbrand erließ Hindenburg die Reichstagsbrandverordnung. Sie setzte wichtige Grundrechte außer Kraft. Tausende Kommunisten und Sozialdemokraten wurden verhaftet.
  • 5. März 1933: Reichstagswahl unter Terror, die NSDAP erreichte 43,9 Prozent und keine eigene Mehrheit.
  • 23. März 1933: Mit dem Ermächtigungsgesetz konnte die Regierung Gesetze ohne den Reichstag erlassen. Nur die SPD stimmte dagegen, die Abgeordneten der KPD waren bereits verhaftet oder geflohen. Otto Wels begründete die Ablehnung der SPD mit den Worten: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“
  • Gleichschaltung: Länder verloren ihre Selbstständigkeit, Gewerkschaften wurden am 2. Mai 1933 zerschlagen, alle Parteien außer der NSDAP verboten oder aufgelöst (Juli 1933). Presse, Rundfunk, Vereine und Schulen wurden unter NS-Kontrolle gebracht.
  • 30. Juni 1934: Beim sogenannten „Röhm-Putsch“ ließ Hitler die SA-Führung und weitere Gegner ermorden.
  • August 1934: Nach dem Tod Hindenburgs vereinte Hitler die Ämter des Reichskanzlers und Reichspräsidenten als „Führer und Reichskanzler“. Die Reichswehr wurde auf ihn persönlich vereidigt.

Herrschaft durch Terror und Verführung

  • Terror: Geheime Staatspolizei (Gestapo), SS, Konzentrationslager (das erste große KZ entstand im März 1933 in Dachau)
  • Propaganda: Joseph Goebbels steuerte Presse, Rundfunk und Film. Massenveranstaltungen sollten Begeisterung erzeugen.
  • Jugend: Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel erfassten Kinder und Jugendliche.
  • Scheinerfolge: Sinkende Arbeitslosigkeit, vor allem durch Aufrüstung, Staatsaufträge und Ausgrenzung von Frauen und Juden aus Arbeitsplätzen.

Verfolgung der Juden vor dem Krieg

  • 1. April 1933: Boykott jüdischer Geschäfte
  • 1935: Nürnberger Gesetze nahmen Juden die Bürgerrechte und verboten Ehen mit Nichtjuden.
  • 9./10. November 1938: In den Novemberpogromen wurden Synagogen in Brand gesetzt, Geschäfte zerstört, Juden ermordet, rund 30 000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt.

Das musst du dir merken

Hitler wurde am 30. Januar 1933 Reichskanzler. Reichstagsbrandverordnung (Februar 1933) und Ermächtigungsgesetz (März 1933) beseitigten die Demokratie. Gleichschaltung, Terror und Propaganda sicherten die Diktatur. Ideologie: Rassismus, Antisemitismus, Führerprinzip, Lebensraum im Osten.

Vorgemacht: Beispiele

Beispiel 1

Warum war das Ermächtigungsgesetz so folgenreich?
  1. Es erlaubte der Regierung, Gesetze ohne Reichstag zu beschließen, auch verfassungsändernde.
  2. Damit war die Gewaltenteilung aufgehoben.

Ergebnis Es war die scheinlegale Grundlage der Diktatur, das Parlament entmachtete sich selbst.

Beispiel 2

Was bedeutete Gleichschaltung für einen Sportverein 1933?
  1. Jüdische Mitglieder wurden ausgeschlossen.
  2. Der Verein musste sich NS-Organisationen unterordnen, der Vorstand wurde nach dem Führerprinzip bestimmt.

Ergebnis Der Verein verlor seine Unabhängigkeit und wurde in den NS-Staat eingegliedert.

Selbst üben

Löse zuerst selbst, dann klappst du die Lösung auf.

  1. Was geschah am 23. März 1933?

    Lösung anzeigen

    Der Reichstag beschloss das Ermächtigungsgesetz.

  2. Welche Partei stimmte gegen das Ermächtigungsgesetz?

    Lösung anzeigen

    Die SPD.

  3. Was regelten die Nürnberger Gesetze von 1935?

    Lösung anzeigen

    Sie nahmen Juden die Bürgerrechte und verboten Ehen zwischen Juden und Nichtjuden.

  4. Was geschah in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938?

    Lösung anzeigen

    Die Novemberpogrome: Synagogen brannten, jüdische Geschäfte wurden zerstört, Juden ermordet und verschleppt.

Typische Fehler

  • Die NS-Herrschaft wird nur durch Zwang erklärt.

    Neben Terror spielten Propaganda, Scheinerfolge und die Zustimmung vieler Deutscher eine Rolle.

  • Der Begriff „Machtergreifung“ wird ohne Hinweis verwendet, als sei Hitler gewaltsam an die Macht gekommen.

    Hitler wurde legal ernannt. Der Begriff stammt aus der NS-Propaganda, Historiker sprechen oft von Machtübernahme oder Machtübertragung.

Hinweis zur Klassenstufe

In welcher Klasse genau dieses Thema drankommt, unterscheidet sich zwischen den Ländern. Klasse 10 ist der häufigste Zeitpunkt.

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