Die Reformation: Martin Luther und die Spaltung der Kirche
Du lernst Ursachen und Verlauf der Reformation kennen, von Luthers 95 Thesen 1517 bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555.
Das Wichtigste verständlich erklärt
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Kirche in Westeuropa einheitlich katholisch. Doch es gab viel Kritik: Manche Päpste und Bischöfe lebten prunkvoll und mischten sich in die Politik ein, viele Geistliche waren schlecht ausgebildet, und Ämter wurden verkauft.
Der Ablasshandel
Besonders umstritten war der Ablass. Gläubige konnten gegen Geld einen Ablassbrief kaufen, der Sündenstrafen im Fegefeuer verkürzen sollte. Mit dem Geld wurde unter anderem der Neubau des Petersdoms in Rom finanziert. Der Ablassprediger Johann Tetzel soll geworben haben: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“
Martin Luther
Der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther (1483 bis 1546) in Wittenberg kritisierte den Ablasshandel. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte er seine 95 Thesen. Ob er sie an die Tür der Schlosskirche nagelte, ist unter Historikern umstritten. Sicher ist, dass er sie an den zuständigen Erzbischof schickte und sie sich durch den Buchdruck rasch verbreiteten.
Luthers Lehre
- Allein durch den Glauben (sola fide): Der Mensch wird durch Gottes Gnade gerettet, nicht durch gute Werke oder gekaufte Ablässe.
- Allein die Schrift (sola scriptura): Maßstab des Glaubens ist die Bibel, nicht die Lehre des Papstes.
- Priestertum aller Gläubigen: Jeder Christ kann sich direkt an Gott wenden.
Bruch mit Rom
1520 drohte der Papst Luther mit dem Kirchenbann. Luther verbrannte die Bannandrohungsbulle öffentlich und wurde 1521 gebannt. Auf dem Reichstag zu Worms 1521 sollte er vor Kaiser Karl V. widerrufen. Er weigerte sich und wurde mit der Reichsacht belegt (Wormser Edikt). Sein Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise, ließ ihn auf der Wartburg verstecken. Dort übersetzte Luther das Neue Testament ins Deutsche, es erschien 1522. Seine Übersetzung prägte die deutsche Sprache nachhaltig.
Ausbreitung und Konflikte
Viele Fürsten und Städte schlossen sich der Reformation an, auch aus politischen und wirtschaftlichen Gründen (Unabhängigkeit vom Papst, Kirchengüter). Im Bauernkrieg 1524/25 beriefen sich aufständische Bauern auf Luther, er stellte sich jedoch gegen sie. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.
Augsburger Religionsfrieden 1555
Nach Jahrzehnten des Konflikts wurde 1555 der Augsburger Religionsfrieden geschlossen. Nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“ (wessen Gebiet, dessen Religion) bestimmte der Landesherr die Konfession seiner Untertanen. Andersgläubige durften auswandern. Lutheraner und Katholiken waren damit anerkannt, Calvinisten noch nicht. Die Glaubensspaltung in Deutschland war besiegelt.
Das musst du dir merken
Kritik an Missständen und am Ablasshandel führte zur Reformation. Luther veröffentlichte am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen. Kernsätze: allein durch Glauben, allein die Schrift. Reichstag zu Worms 1521, Bibelübersetzung, Augsburger Religionsfrieden 1555 mit „cuius regio, eius religio“.
So sieht es in der Praxis aus
Beispiel 1
- Der Buchdruck ermöglichte billige Flugschriften in großer Zahl.
- Luther schrieb auf Deutsch, viele Menschen konnten ihn verstehen.
- Fürsten unterstützten ihn, auch aus politischen Interessen.
Ergebnis Medienrevolution, Volkssprache und politische Unterstützung wirkten zusammen.
Beispiel 2
- Der Landesherr bestimmte die Konfession.
- Der Bauer musste katholisch bleiben oder auswandern.
Ergebnis Er hatte keine freie Religionswahl, ihm blieb nur das Auswandern.
Jetzt bist du dran
Wann veröffentlichte Luther seine 95 Thesen?
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Am 31. Oktober 1517.
Was bedeutet „sola scriptura“?
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Allein die Schrift: Die Bibel ist der Maßstab des Glaubens.
Wo übersetzte Luther das Neue Testament?
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Auf der Wartburg.
Wann wurde der Augsburger Religionsfrieden geschlossen?
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1555.
Darauf solltest du achten
Luther wird als jemand beschrieben, der von Anfang an eine neue Kirche gründen wollte.
Er wollte die Kirche zunächst reformieren. Die Spaltung war eine Folge des Konflikts.
Der Augsburger Religionsfrieden wird als Einführung der Religionsfreiheit für jeden Einzelnen gedeutet.
Nur der Landesherr durfte wählen, die Untertanen nicht.
Hinweis zur Klassenstufe
In welcher Klasse genau dieses Thema drankommt, unterscheidet sich zwischen den Ländern. Klasse 8 ist der häufigste Zeitpunkt.