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Erdkunde · Klasse 9

Wirtschaftssektoren und Strukturwandel

Lesezeit etwa 3 Minuten · 2 Beispiele · 4 Übungen · Redaktion Lektion.net · Stand 11.10.2026

Du lernst die Wirtschaftssektoren kennen, das Drei-Sektoren-Modell und den Strukturwandel am Beispiel des Ruhrgebiets.

Das Wichtigste verständlich erklärt

Alle wirtschaftlichen Tätigkeiten lassen sich Sektoren zuordnen:

  • Primärer Sektor: Gewinnung von Rohstoffen und Nahrung, also Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, oft auch Bergbau
  • Sekundärer Sektor: Verarbeitung, also Industrie, Handwerk, Energieerzeugung, Bauwirtschaft
  • Tertiärer Sektor: Dienstleistungen wie Handel, Verkehr, Banken, Gesundheit, Bildung, Verwaltung, Tourismus
  • Manchmal wird ein quartärer Sektor abgegrenzt: wissensintensive Informations- und Kommunikationsdienstleistungen, Forschung, Beratung.

Das Drei-Sektoren-Modell

Der französische Ökonom Jean Fourastié beschrieb 1949, wie sich die Anteile der Erwerbstätigen mit der Entwicklung eines Landes verschieben:

  1. Agrargesellschaft: Die meisten arbeiten im primären Sektor.
  2. Industriegesellschaft: Durch Maschinen braucht die Landwirtschaft weniger Arbeitskräfte, der sekundäre Sektor wächst.
  3. Dienstleistungsgesellschaft: Auch in der Industrie steigt die Produktivität durch Automatisierung, der tertiäre Sektor wird zum größten.

In Deutschland arbeiten heute rund drei Viertel der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor, knapp ein Viertel im produzierenden Gewerbe und nur rund 1 Prozent in der Land- und Forstwirtschaft (Statistisches Bundesamt).

Strukturwandel im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet wurde im 19. Jahrhundert durch Steinkohle und Stahl zum größten Industriegebiet Europas. Ab Ende der 1950er-Jahre geriet die Montanindustrie in die Krise:

  • Importkohle und Erdöl waren billiger als die tief abgebaute Ruhrkohle.
  • Stahl wurde weltweit günstiger produziert.
  • Zechen und Hütten schlossen, Hunderttausende Arbeitsplätze gingen verloren.

2018 schloss mit der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop das letzte Steinkohlebergwerk Deutschlands.

Der Strukturwandel brachte neue Wirtschaftszweige: Universitäten (die Ruhr-Universität Bochum wurde 1965 eröffnet), Logistik (Duisburger Hafen), Gesundheitswirtschaft, Handel, Dienstleistungen und Kultur. Alte Industrieanlagen wurden zu Museen und Veranstaltungsorten umgebaut, etwa die Zeche Zollverein in Essen, seit 2001 UNESCO-Welterbe. Trotzdem hat das Ruhrgebiet bis heute eine höhere Arbeitslosigkeit als der Bundesdurchschnitt.

Tertiärisierung

Die Verschiebung hin zum Dienstleistungssektor nennt man Tertiärisierung. Sie betrifft auch Industrieunternehmen selbst, die immer mehr Beschäftigte in Forschung, Entwicklung, Vertrieb und Service haben.

Das musst du dir merken

Primärer Sektor: Rohstoffe und Nahrung, sekundärer: Industrie und Handwerk, tertiärer: Dienstleistungen. Nach Fourastié verschiebt sich die Beschäftigung von der Landwirtschaft über die Industrie zu den Dienstleistungen. Das Ruhrgebiet wandelte sich von Kohle und Stahl zu Dienstleistungen und Wissenschaft.

Vorgemacht: Beispiele

Beispiel 1

Ordne zu: Bäckerei, Zahnarztpraxis, Kohlebergwerk.
  1. Das Kohlebergwerk gewinnt einen Rohstoff.
  2. Die Bäckerei verarbeitet Mehl zu Brot (Handwerk).
  3. Die Zahnarztpraxis erbringt eine Dienstleistung.

Ergebnis Bergwerk: primär, Bäckerei: sekundär, Zahnarztpraxis: tertiär.

Beispiel 2

Von 46 Millionen Erwerbstätigen arbeiten 34,5 Millionen im Dienstleistungssektor. Wie hoch ist der Anteil?
  1. 34,5 : 46 = 0,75

Ergebnis 75 Prozent.

Selbst üben

Nimm dir Papier und Stift und löse die Aufgaben, bevor du nachschaust.

  1. Zu welchem Sektor gehört ein Autowerk?

    Lösung anzeigen

    Zum sekundären Sektor.

  2. Wer entwickelte das Drei-Sektoren-Modell?

    Lösung anzeigen

    Jean Fourastié.

  3. Wann schloss das letzte deutsche Steinkohlebergwerk?

    Lösung anzeigen

    2018.

  4. Was versteht man unter Strukturwandel?

    Lösung anzeigen

    Die langfristige Veränderung der Wirtschaftsstruktur einer Region oder eines Landes, etwa von der Industrie zu Dienstleistungen.

Hier passieren die meisten Fehler

  • Der Bergbau wird dem sekundären Sektor zugeordnet.

    Rohstoffgewinnung wie Bergbau zählt meist zum primären Sektor, in manchen Statistiken auch zum produzierenden Gewerbe.

  • Tertiärisierung wird so verstanden, dass Industrie unwichtig wird.

    Die Industrie bleibt wichtig, aber sie braucht weniger Beschäftigte in der Produktion und mehr in Dienstleistungen.

Hinweis zur Klassenstufe

In welcher Klasse genau dieses Thema drankommt, unterscheidet sich zwischen den Ländern. Klasse 9 ist der häufigste Zeitpunkt.

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