Dekolonisation: Der Weg in die Unabhängigkeit
Du lernst, wie nach 1945 die Kolonialreiche zerfielen, unterscheidest friedliche und gewaltsame Wege in die Unabhängigkeit und verstehst langfristige Folgen.
Erklärung
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangten innerhalb weniger Jahrzehnte die meisten Kolonien in Asien und Afrika ihre Unabhängigkeit. Diesen Prozess nennt man Dekolonisation.
Ursachen
- Schwächung der Kolonialmächte: Großbritannien, Frankreich und die Niederlande waren durch den Krieg wirtschaftlich und militärisch geschwächt.
- Unabhängigkeitsbewegungen: In den Kolonien hatten sich nationale Bewegungen gebildet, oft geführt von Menschen, die in Europa studiert hatten.
- Ideen von Selbstbestimmung: Die Atlantik-Charta (1941) und die Charta der Vereinten Nationen (1945) bekannten sich zum Selbstbestimmungsrecht der Völker.
- Haltung der Supermächte: Die USA und die Sowjetunion lehnten den alten Kolonialismus aus unterschiedlichen Gründen ab.
- Der Einsatz vieler Soldaten aus den Kolonien im Krieg stärkte deren Forderungen nach Gleichberechtigung.
Indien
Unter Führung von Mahatma Gandhi kämpfte die indische Unabhängigkeitsbewegung mit gewaltlosem Widerstand gegen die britische Herrschaft, etwa mit dem Salzmarsch 1930, Boykotten und zivilem Ungehorsam. Am 15. August 1947 wurde Indien unabhängig. Gleichzeitig wurde das Land in das mehrheitlich hinduistische Indien und das muslimische Pakistan geteilt. Bei der Teilung kam es zu Gewalt mit Hunderttausenden Toten und Millionen Flüchtlingen.
Afrika
1960 wurden 17 afrikanische Staaten unabhängig, man spricht vom Afrikanischen Jahr. Viele britische und französische Kolonien erlangten die Unabhängigkeit auf dem Verhandlungsweg, etwa Ghana bereits 1957 als erstes Land südlich der Sahara.
Andere Wege waren gewaltsam:
- Algerienkrieg (1954 bis 1962): Frankreich wollte Algerien, wo viele französische Siedler lebten, nicht aufgeben. Der Krieg forderte Hunderttausende Tote, bevor Algerien 1962 unabhängig wurde.
- Portugiesische Kolonien wie Angola und Mosambik wurden erst 1975 nach langen Kriegen unabhängig.
Folgen und Probleme
- Viele neue Staaten hatten die willkürlichen Kolonialgrenzen übernommen, was zu Bürgerkriegen und Grenzkonflikten beitrug.
- Wirtschaftliche Strukturen waren auf den Export von Rohstoffen ausgerichtet. Viele Länder blieben wirtschaftlich abhängig (Neokolonialismus).
- Im Kalten Krieg versuchten die Supermächte, die neuen Staaten auf ihre Seite zu ziehen. Viele schlossen sich der Bewegung der Blockfreien an.
- Die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe, etwa mit geraubten Kulturgütern in europäischen Museen und mit Entschuldigungen für Kolonialverbrechen, dauert bis heute an.
Merke
Dekolonisation nach 1945: Schwächung der Kolonialmächte, Unabhängigkeitsbewegungen und Selbstbestimmungsrecht führten zur Unabhängigkeit. Indien 1947 durch gewaltlosen Widerstand unter Gandhi, Afrikanisches Jahr 1960, Algerienkrieg 1954 bis 1962. Folgen: willkürliche Grenzen und wirtschaftliche Abhängigkeit.
Beispiele
Beispiel 1
- Er setzte auf gewaltlosen Widerstand: Boykott, Streiks, ziviler Ungehorsam.
- Das brachte die britische Herrschaft moralisch und wirtschaftlich unter Druck.
Ergebnis Er zeigte, dass sich Unabhängigkeit auch ohne Krieg erkämpfen lässt, und wurde Vorbild für spätere Bürgerrechtsbewegungen.
Beispiel 2
- In Algerien lebten rund eine Million französische Siedler.
- Frankreich betrachtete Algerien als Teil des eigenen Staatsgebiets.
Ergebnis Weil Frankreich das Land nicht aufgeben wollte, kam es zu einem langen, blutigen Unabhängigkeitskrieg.
Aufgaben zum Üben
Wann wurde Indien unabhängig?
Lösung anzeigen
Am 15. August 1947.
Was versteht man unter dem Afrikanischen Jahr?
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Das Jahr 1960, in dem 17 afrikanische Staaten unabhängig wurden.
Was bedeutet Neokolonialismus?
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Fortbestehende wirtschaftliche und politische Abhängigkeit ehemaliger Kolonien trotz formaler Unabhängigkeit.
Fehler, die Punkte kosten
Die Dekolonisation wird als freiwilliges Geschenk der Kolonialmächte dargestellt.
Sie wurde von Unabhängigkeitsbewegungen erkämpft, teils in langen Kriegen.
Es wird angenommen, mit der Unabhängigkeit seien alle Probleme gelöst gewesen.
Grenzkonflikte, wirtschaftliche Abhängigkeit und Folgen der Kolonialzeit wirken bis heute nach.
Hinweis zur Klassenstufe
Wir ordnen das Thema Klasse 12 zu, weil es dort in den meisten Lehrplänen vorkommt. Bei dir kann die Reihenfolge abweichen.