Ruhepotenzial, Aktionspotenzial und Synapse
Du erklärst die elektrischen Vorgänge an der Nervenzellmembran vom Ruhepotenzial bis zum Aktionspotenzial und die Erregungsübertragung an chemischen Synapsen.
Schritt für Schritt erklärt
Nervenzellen leiten Informationen als elektrische Signale weiter. Grundlage sind Spannungen an der Zellmembran, die durch ungleich verteilte Ionen entstehen.
Ruhepotenzial
Im Ruhezustand ist das Zellinnere gegenüber dem Außenraum negativ geladen. Die Spannung beträgt etwa −70 mV. Ursachen:
- Innen sind viele Kalium-Ionen (K⁺) und negativ geladene Proteine, außen viele Natrium-Ionen (Na⁺) und Chlorid-Ionen.
- Die Membran ist in Ruhe vor allem für K⁺ durchlässig. K⁺ strömt nach außen, die negativen Proteine bleiben zurück. Es entsteht eine Spannung, die den weiteren Ausstrom bremst.
- Die Natrium-Kalium-Pumpe transportiert unter ATP-Verbrauch 3 Na⁺ nach außen und 2 K⁺ nach innen und erhält so die Konzentrationsunterschiede.
Aktionspotenzial
Wird die Membran durch einen Reiz bis zu einem Schwellenwert (etwa −50 mV) depolarisiert, läuft ein Aktionspotenzial ab:
- Depolarisation: Spannungsgesteuerte Na⁺-Kanäle öffnen sich, Na⁺ strömt ein. Das Innere wird kurz positiv (bis etwa +30 mV).
- Repolarisation: Die Na⁺-Kanäle schließen sich, spannungsgesteuerte K⁺-Kanäle öffnen sich, K⁺ strömt aus. Die Spannung sinkt.
- Hyperpolarisation: Die Spannung sinkt kurz unter das Ruhepotenzial, weil die K⁺-Kanäle verzögert schließen.
- Rückkehr zum Ruhepotenzial.
Das Aktionspotenzial folgt dem Alles-oder-nichts-Prinzip: Unterhalb der Schwelle passiert nichts, oberhalb läuft es immer in voller Höhe ab. Die Reizstärke wird über die Frequenz der Aktionspotenziale codiert. Während der Refraktärzeit kann kein neues Aktionspotenzial ausgelöst werden, deshalb läuft die Erregung nur in eine Richtung.
Weiterleitung
Ohne Myelinscheide wandert das Aktionspotenzial kontinuierlich am Axon entlang (langsam). Bei myelinisierten Axonen springt es von einem Ranvierschen Schnürring zum nächsten (saltatorische Erregungsleitung), bis zu etwa 100 m/s.
Die chemische Synapse
- Das Aktionspotenzial erreicht das Endknöpfchen, spannungsgesteuerte Calciumkanäle öffnen sich, Ca²⁺ strömt ein.
- Vesikel mit dem Neurotransmitter (zum Beispiel Acetylcholin) verschmelzen mit der Membran und geben ihn in den synaptischen Spalt ab.
- Der Transmitter bindet an Rezeptoren der postsynaptischen Membran, Ionenkanäle öffnen sich, es entsteht ein postsynaptisches Potenzial.
- Der Transmitter wird abgebaut (Acetylcholin durch das Enzym Acetylcholinesterase) oder wieder aufgenommen.
Viele Gifte und Medikamente wirken an Synapsen: Sie blockieren Rezeptoren, ahmen Transmitter nach oder hemmen deren Abbau.
Merke
Ruhepotenzial etwa −70 mV durch K⁺-Ausstrom und Na⁺-K⁺-Pumpe. Aktionspotenzial nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip: Na⁺-Einstrom (Depolarisation), K⁺-Ausstrom (Repolarisation). An der Synapse wird das elektrische Signal chemisch über Neurotransmitter übertragen.
Beispiele
Beispiel 1
- Ab dem Schwellenwert öffnen sich die Na⁺-Kanäle lawinenartig.
- Das Aktionspotenzial läuft immer gleich hoch ab (Alles-oder-nichts-Prinzip).
Ergebnis Ein stärkerer Reiz erhöht nur die Frequenz der Aktionspotenziale, nicht ihre Höhe.
Beispiel 2
- Acetylcholin wird nicht mehr abgebaut und bleibt im synaptischen Spalt.
- Die Rezeptoren werden dauerhaft erregt.
Ergebnis Die Muskeln werden dauererregt, es kommt zu Krämpfen und Lähmung.
Aufgaben zum Üben
Welche Ionen strömen bei der Depolarisation in die Zelle?
Lösung anzeigen
Natrium-Ionen (Na⁺).
Wozu dient die Natrium-Kalium-Pumpe?
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Sie erhält unter ATP-Verbrauch die Ionenungleichverteilung aufrecht.
Warum leiten myelinisierte Axone schneller?
Lösung anzeigen
Das Aktionspotenzial springt von Schnürring zu Schnürring (saltatorische Leitung).
Häufige Fehler vermeiden
Die Reizstärke soll über die Höhe des Aktionspotenzials codiert werden.
Die Höhe ist immer gleich, codiert wird über die Frequenz.
Es wird angenommen, dass an der chemischen Synapse das elektrische Signal direkt überspringt.
Die Übertragung erfolgt chemisch durch Neurotransmitter im synaptischen Spalt.
Hinweis zur Klassenstufe
Wir ordnen das Thema Klasse 13 zu, weil es dort in den meisten Lehrplänen vorkommt. Bei dir kann die Reihenfolge abweichen.