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Biologie · Klasse 12

Evolution: Variation, Selektion und Artbildung

Lesezeit etwa 3 Minuten · 2 Beispiele · 3 Übungen · Redaktion Lektion.net · Stand 11.10.2026

Du lernst die Evolutionstheorie nach Darwin kennen, erklärst natürliche Selektion an Beispielen und verstehst, wie neue Arten entstehen.

Die Grundlagen

Die Vielfalt der Lebewesen ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, der Evolution. Charles Darwin veröffentlichte 1859 sein Werk „Über die Entstehung der Arten“. Ähnliche Gedanken hatte unabhängig von ihm Alfred Russel Wallace entwickelt.

Darwins Beobachtungen und Schlüsse

  1. Überproduktion: Lebewesen erzeugen mehr Nachkommen, als überleben können.
  2. Variation: Die Individuen einer Art unterscheiden sich in ihren Merkmalen, und viele Unterschiede sind erblich.
  3. Konkurrenz: Weil Ressourcen begrenzt sind, überleben nicht alle.
  4. Selektion: Individuen mit vorteilhaften Merkmalen überleben häufiger und haben mehr Nachkommen. Darwin nannte das natürliche Auslese.
  5. Veränderung: Über viele Generationen werden vorteilhafte Merkmale in der Population häufiger.

Mit „survival of the fittest“ ist nicht der Stärkste gemeint, sondern der am besten Angepasste, der die meisten fortpflanzungsfähigen Nachkommen hinterlässt (Fitness).

Die synthetische Evolutionstheorie

Darwin kannte weder Gene noch Mutationen. Die heutige Theorie verbindet seine Ideen mit der Genetik. Evolutionsfaktoren sind:

  • Mutation: neue Allele durch Veränderungen der DNA
  • Rekombination: neue Allelkombinationen durch Meiose und Befruchtung
  • Selektion: Umweltbedingungen begünstigen bestimmte Phänotypen
  • Gendrift: zufällige Veränderung der Allelhäufigkeiten, besonders in kleinen Populationen
  • Isolation: Trennung von Populationen

Beispiele für Selektion

  • Birkenspanner: In englischen Industriegebieten wurden im 19. Jahrhundert dunkle Falter häufiger, weil sie auf rußgeschwärzten Baumstämmen schlechter von Vögeln gesehen wurden. Nach der Luftreinhaltung nahmen helle Falter wieder zu.
  • Antibiotikaresistenz: Werden Bakterien mit Antibiotika behandelt, überleben resistente Varianten und vermehren sich.

Artbildung

Eine Art umfasst alle Lebewesen, die sich miteinander fortpflanzen und fruchtbare Nachkommen haben können. Neue Arten entstehen oft, wenn Populationen geografisch getrennt werden (zum Beispiel durch Gebirge oder Meere). Getrennt verändern sie sich unterschiedlich, bis sie sich nicht mehr miteinander fortpflanzen können. Darwins Finken auf den Galapagosinseln sind ein bekanntes Beispiel: Aus einer Ausgangsart entstanden viele Arten mit verschiedenen Schnabelformen (adaptive Radiation).

Lamarck im Vergleich

Jean-Baptiste de Lamarck meinte um 1809, Lebewesen könnten im Leben erworbene Eigenschaften vererben (die Giraffe streckt den Hals, ihre Jungen haben längere Hälse). Diese Vorstellung gilt als widerlegt: Erworbene Eigenschaften werden nicht über die Gene vererbt.

Kurz gemerkt

Evolution durch Variation, Überproduktion, Konkurrenz und natürliche Selektion: Besser Angepasste haben mehr Nachkommen. Evolutionsfaktoren sind Mutation, Rekombination, Selektion, Gendrift und Isolation. Neue Arten entstehen oft durch geografische Trennung.

Beispiele

Beispiel 1

Erkläre die langen Hälse der Giraffen nach Darwin.
  1. In der Ausgangspopulation gab es Giraffen mit unterschiedlich langen Hälsen (Variation).
  2. Tiere mit längeren Hälsen erreichten mehr Nahrung in den Bäumen und hatten mehr Nachkommen (Selektion).
  3. Das Merkmal „langer Hals“ wurde über viele Generationen häufiger.

Ergebnis Nicht das Strecken, sondern die Auslese vorhandener erblicher Unterschiede führte zu langen Hälsen.

Beispiel 2

Warum soll man Antibiotika nur nach ärztlicher Anweisung und vollständig einnehmen?
  1. Unter Antibiotika überleben vor allem resistente Bakterien.
  2. Bricht man die Behandlung zu früh ab oder nimmt Antibiotika unnötig, fördert man die Selektion resistenter Stämme.

Ergebnis Falscher Einsatz beschleunigt die Evolution von Resistenzen.

Jetzt bist du dran

Erst rechnen oder schreiben, dann vergleichen.

  1. Was bedeutet Fitness in der Evolutionsbiologie?

    Lösung anzeigen

    Der Fortpflanzungserfolg, also die Zahl fortpflanzungsfähiger Nachkommen.

  2. Nenne drei Evolutionsfaktoren.

    Lösung anzeigen

    Mutation, Rekombination, Selektion (auch Gendrift, Isolation).

  3. Was ist der Unterschied zwischen Lamarcks und Darwins Erklärung?

    Lösung anzeigen

    Lamarck: Vererbung erworbener Eigenschaften. Darwin: Auslese erblicher Unterschiede.

Häufige Fehler vermeiden

  • Es wird gesagt, Tiere passen sich absichtlich an ihre Umwelt an.

    Evolution hat kein Ziel. Zufällige erbliche Unterschiede werden durch die Umwelt ausgelesen.

  • „Survival of the fittest“ wird als Überleben der Stärksten verstanden.

    Gemeint ist der Fortpflanzungserfolg der am besten Angepassten.

Hinweis zur Klassenstufe

Dieses Thema steht in vielen Bundesländern in Klasse 12 auf dem Lehrplan. Je nach Land und Schulform kann es früher oder später kommen.

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