Ratgeber
Abiturnote berechnen: So funktioniert die Punkterechnung

In der Oberstufe ändert sich die Bewertung: Statt Noten von 1 bis 6 gibt es Punkte von 0 bis 15, und am Ende steht eine Abiturnote mit einer Nachkommastelle, die über Studienplätze mitentscheiden kann. Wie diese Note genau entsteht, wissen viele Schülerinnen und Schüler erst kurz vor dem Abitur. Dabei lohnt es sich, das System früh zu verstehen, denn schon die ersten Halbjahre der Qualifikationsphase zählen.
Dieser Ratgeber erklärt die Berechnung Schritt für Schritt nach der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz, die für alle Länder gilt. Die Details, etwa wie viele Kurse eingebracht werden müssen, regeln die Länder in ihren Oberstufenverordnungen.
Punkte statt Noten
In der Oberstufe werden Leistungen in Punkten bewertet. Die Zuordnung ist bundesweit gleich: 15, 14 und 13 Punkte entsprechen der Note 1 mit Plus, ohne Tendenz und mit Minus. 12, 11 und 10 Punkte entsprechen der 2, 9, 8 und 7 der 3, 6, 5 und 4 der 4, 3, 2 und 1 der 5, und 0 Punkte entsprechen der 6.
Wichtig ist die Grenze bei 5 Punkten. Ergebnisse unter 5 Punkten gelten als Unterkurse, und für sie gibt es Höchstgrenzen. Wer zu viele Unterkurse einbringt, wird nicht zur Abiturprüfung zugelassen.
Die Gesamtqualifikation: zwei Blöcke
Die Abiturnote ergibt sich aus der Gesamtqualifikation E, die aus zwei Blöcken besteht. Block I umfasst die Ergebnisse der vier Halbjahre der Qualifikationsphase, also meist der letzten beiden Schuljahre. Hier sind höchstens 600 Punkte möglich. Block II umfasst die Ergebnisse der Abiturprüfung, hier sind höchstens 300 Punkte möglich. Zusammen sind es höchstens 900 Punkte. Das Verhältnis von Unterricht zu Prüfung beträgt also zwei zu eins.
Block I berechnen
In Block I werden 32 bis 40 Halbjahresergebnisse eingebracht, wie viele genau, legt das Land fest. Die Kurse der Prüfungsfächer sind meist verpflichtend, darüber hinaus gibt es Pflicht- und Wahlbereiche. In vielen Ländern zählen die Kurse auf erhöhtem Anforderungsniveau, also die Leistungskurse, doppelt.
Die Formel lautet: E_I = P : S · 40. Dabei ist P die Summe der Punkte aller eingebrachten Kurse, doppelt gewertete entsprechend doppelt, und S die Zahl der eingebrachten Kurse, doppelt gewertete doppelt gezählt. Das Ergebnis wird auf eine ganze Zahl gerundet. Der Faktor 40 sorgt dafür, dass Block I unabhängig von der Kurszahl auf höchstens 600 Punkte kommt.
Beispiel: Du bringst 40 Kurse ein und hast zusammen 440 Punkte. Dann ist E_I = 440 : 40 · 40 = 440 Punkte. Bringst du nur 36 Kurse mit zusammen 396 Punkten ein, ergibt sich 396 : 36 · 40 = 440 Punkte. Entscheidend ist also der Durchschnitt der Kurse, hier 11 Punkte.
Block II berechnen
In der Abiturprüfung legst du in den meisten Ländern vier oder fünf Prüfungen ab, schriftlich und mündlich. Bei fünf Prüfungsfächern zählt jedes Ergebnis vierfach, bei vier Prüfungsfächern fünffach. So kommt Block II immer auf höchstens 300 Punkte.
Beispiel mit fünf Prüfungen: Du erreichst 11, 12, 9, 10 und 13 Punkte, zusammen 55. Block II ergibt 4 · 55 = 220 Punkte.
Schriftliche Prüfungsergebnisse können durch eine zusätzliche mündliche Prüfung verändert werden. Wie das Ergebnis dann berechnet wird, regeln die Länder.
Mündliche Prüfungen und Nachprüfungen
Neben den schriftlichen Prüfungen gehört mindestens eine mündliche Prüfung zum Abitur. Sie zählt in Block II genauso wie eine schriftliche Prüfung. Außerdem können Schülerinnen und Schüler in vielen Ländern in schriftlichen Fächern eine zusätzliche mündliche Prüfung ablegen, um ein Ergebnis zu verbessern, oder sie werden dazu verpflichtet, wenn das schriftliche Ergebnis stark von den Vorleistungen abweicht. Das Ergebnis des Fachs wird dann aus schriftlichem und mündlichem Teil berechnet, wobei der schriftliche Teil meist stärker gewichtet wird. Die genaue Gewichtung regelt dein Land.
Von den Punkten zur Note
Die Gesamtqualifikation ist E = E_I + E_II. Aus E wird die Abiturdurchschnittsnote nach der Formel N = 17/3 − E/180 berechnet. Das Ergebnis wird nach der ersten Nachkommastelle abgeschnitten, nicht gerundet. Ab 823 Punkten ist die Note 1,0, unter 300 Punkten ist das Abitur nicht bestanden.
Für das Beispiel oben: E = 440 + 220 = 660 Punkte. N = 17/3 − 660/180 = 5,667 − 3,667 = 2,0. Die Abiturnote ist also 2,0.
Weil abgeschnitten wird, entscheiden manchmal wenige Punkte über die Nachkommastelle. Jede Notenstufe umfasst 18 Punkte. Die 2,0 reicht zum Beispiel von 643 bis 660 Punkten, die 1,9 von 661 bis 678. Unser Abiturrechner zeigt dir die vollständige Tabelle und wie viele Punkte bis zur nächsten Stufe fehlen.
Die Mindestbedingungen
Neben den 300 Punkten insgesamt gibt es weitere Bedingungen, die erfüllt sein müssen. Nach der KMK-Vereinbarung müssen in Block I mindestens 200 Punkte erreicht werden. Unter den eingebrachten Halbjahresergebnissen dürfen höchstens 20 Prozent unter 5 Punkten liegen, und keines darf 0 Punkte haben. In Block II müssen mindestens 100 Punkte erreicht werden, und in mindestens zwei Prüfungsfächern, darunter einem auf erhöhtem Niveau, müssen jeweils mindestens 5 Punkte in einfacher Wertung erzielt werden. Die Länder können diese Regeln konkretisieren.
Den Stand im Blick behalten
Weil Block I zwei Drittel der Gesamtqualifikation ausmacht, ist jedes Halbjahr der Qualifikationsphase wichtig. Es lohnt sich, nach jedem Halbjahr den aktuellen Stand auszurechnen und zu planen, welche Kurse eingebracht werden. Gerade bei den Wahlmöglichkeiten, welche Kurse in Block I zählen, kann man durch geschickte Auswahl einige Punkte gewinnen. Die Oberstufenkoordination deiner Schule berät dich dabei.
Ein zweites Beispiel mit Leistungskursen
Angenommen, in deinem Land werden 40 Kurse eingebracht, darunter die vier Halbjahre in zwei Leistungskursen, die doppelt zählen. Dann gehen 8 Leistungskurse doppelt und 32 Grundkurse einfach ein. Das ergibt S = 8 · 2 + 32 = 48.
Deine Leistungskurse haben zusammen 96 Punkte, also im Schnitt 12. Deine Grundkurse haben zusammen 320 Punkte, im Schnitt 10. Dann ist P = 2 · 96 + 320 = 512. Block I ergibt E_I = 512 : 48 · 40 = 426,67, gerundet 427 Punkte. Mit 220 Punkten in Block II kommst du auf E = 647 Punkte und damit auf N = 17/3 − 647/180 ≈ 2,07, also die Abiturnote 2,0.
Würden die Leistungskurse nicht doppelt zählen, wäre S = 40 und P = 416, also E_I = 416 Punkte. Die doppelte Gewichtung bringt hier 11 Punkte mehr, weil die Leistungskurse besser sind als die Grundkurse. Bei schwächeren Leistungskursen wirkt sie umgekehrt.
Wie viel eine Prüfung ausmacht
Weil bei fünf Prüfungsfächern jedes Ergebnis vierfach zählt, bringt ein Punkt mehr in einer Prüfung vier Punkte in der Gesamtqualifikation. Für eine Verbesserung um eine Notenstufe, also um 0,1, brauchst du 18 Punkte. Das entspricht viereinhalb Prüfungspunkten, verteilt auf alle Prüfungen. Wer knapp unter einer Grenze liegt, kann diese mit einer etwas besseren Prüfung oft noch erreichen.
Häufige Fragen
Wird die Abiturnote gerundet?
Nein, sie wird nach der ersten Nachkommastelle abgeschnitten. Gerundet wird nur bei der Berechnung von Block I auf ganze Punkte.
Ab wie vielen Punkten habe ich eine 1,0?
Ab 823 Punkten. Unter 300 Punkten ist das Abitur nicht bestanden.
Zählen Leistungskurse doppelt?
Nach der KMK-Vereinbarung können die Halbjahresergebnisse von bis zu zwei Fächern auf erhöhtem Anforderungsniveau doppelt gewichtet werden. Ob und wie das geschieht, regelt dein Land.
Wie viele Unterkurse darf ich haben?
Höchstens 20 Prozent der eingebrachten Halbjahresergebnisse dürfen unter 5 Punkten liegen, keines darf 0 Punkte haben. Bei 40 eingebrachten Kursen sind das höchstens 8 Unterkurse.
Wie viel bringt ein Punkt mehr in einer Prüfung?
Bei fünf Prüfungsfächern vier Punkte in der Gesamtqualifikation, bei vier Prüfungsfächern fünf Punkte. Eine Notenstufe von 0,1 entspricht 18 Punkten.
Kann ich mein Abitur durch eine mündliche Nachprüfung verbessern?
In vielen Ländern ist eine zusätzliche mündliche Prüfung in einem schriftlichen Fach möglich. Ob und wie sie das Ergebnis verändert, regelt die Oberstufenverordnung deines Landes.
Quellen
- Kultusministerkonferenz: Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung (Beschluss vom 07.07.1972 i. d. F. vom 16.06.2016).
- Cepeda, N. J. u. a. (2006): Distributed practice in verbal recall tasks. Psychological Bulletin 132 (3), S. 354–380.
- Weitere Hinweise zu unserer Arbeitsweise: Quellen und Methodik.