Verstädterung und Megastädte
Du lernst, warum immer mehr Menschen in Städten leben, was Push- und Pull-Faktoren sind und welche Probleme in schnell wachsenden Megastädten entstehen.
Worum es geht
Seit etwa 2007 lebt nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit mehr als die Hälfte der Menschen in Städten. Dieser Anteil wächst weiter. Man unterscheidet zwei Begriffe:
- Verstädterung: Der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung steigt.
- Urbanisierung: Die Ausbreitung städtischer Lebensweisen, etwa in Arbeit, Konsum und Freizeit, auch auf dem Land. Im Alltag werden beide Begriffe oft gleich verwendet.
Warum Menschen in die Stadt ziehen
Die Wanderung vom Land in die Stadt heißt Landflucht. Man erklärt sie mit Push- und Pull-Faktoren:
| Push-Faktoren (vom Land weg) | Pull-Faktoren (in die Stadt hin) |
|---|---|
| Armut, wenig Arbeit außerhalb der Landwirtschaft | Hoffnung auf Arbeit und höheres Einkommen |
| kleine Felder, Landknappheit, Dürren | Schulen, Universitäten |
| schlechte Gesundheitsversorgung | Krankenhäuser, Ärzte |
| fehlende Infrastruktur | Strom, Wasser, Verkehr, Freizeitangebote |
| Konflikte, Klimafolgen | Kontakte zu bereits ausgewanderten Verwandten |
In vielen Ländern des Globalen Südens wachsen die Städte zusätzlich durch ihren hohen Geburtenüberschuss.
Megastädte
Als Megastädte bezeichnet man Städte oder Ballungsräume mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Dazu gehören Tokio, Delhi, Shanghai, São Paulo, Mexiko-Stadt, Kairo, Mumbai und Lagos. Die genaue Rangfolge hängt davon ab, wie die Grenzen des Ballungsraums gezogen werden.
Probleme schnell wachsender Städte
- Informelle Siedlungen: Menschen bauen einfache Hütten ohne Genehmigung am Stadtrand oder an gefährdeten Hängen, ohne sichere Wasser- und Stromversorgung. Je nach Land heißen sie Favelas, Slums oder Bidonvilles.
- Informeller Sektor: Viele arbeiten ohne Vertrag und Absicherung als Straßenhändler, Müllsammler oder Tagelöhner.
- Verkehr und Umwelt: Staus, Luftverschmutzung, Müll, Abwasser
- Überforderte Verwaltung: Schulen, Krankenhäuser und Leitungen kommen dem Wachstum nicht hinterher.
Städte in Industrieländern
In Deutschland ist der Anteil der Stadtbevölkerung bereits hoch. Hier geht es eher um Suburbanisierung (Wegzug ins Umland mit Pendlerverkehr), Reurbanisierung (Rückkehr in die Kernstädte), steigende Mieten und Gentrifizierung, also die Aufwertung von Stadtvierteln, bei der alteingesessene Bewohner verdrängt werden können.
Kurz gemerkt
Verstädterung: Der Anteil der Stadtbevölkerung steigt, seit etwa 2007 leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Ursachen: Push-Faktoren auf dem Land und Pull-Faktoren der Stadt, dazu Geburtenüberschuss. Megastädte haben über 10 Millionen Einwohner, schnelles Wachstum führt oft zu informellen Siedlungen.
Durchgerechnete Beispiele
Beispiel 1
- 18 : 50 = 0,36
Ergebnis Der Verstädterungsgrad beträgt 36 Prozent.
Beispiel 2
- Die Dürre treibt Menschen vom Land weg.
- Die Universität zieht Menschen in die Stadt.
Ergebnis Dürre ist ein Push-Faktor, die Universität ein Pull-Faktor.
Übungen
Ab welcher Einwohnerzahl spricht man von einer Megastadt?
Lösung anzeigen
Ab 10 Millionen Einwohnern.
Nenne zwei Pull-Faktoren der Stadt.
Lösung anzeigen
Zum Beispiel Arbeitsplätze und Schulen.
Was ist eine informelle Siedlung?
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Eine ohne Genehmigung errichtete, oft einfache Siedlung mit mangelhafter Versorgung.
Was versteht man unter Gentrifizierung?
Lösung anzeigen
Die Aufwertung eines Stadtviertels, bei der ärmere Bewohner durch steigende Mieten verdrängt werden können.
Darauf solltest du achten
Push- und Pull-Faktoren werden vertauscht.
Push-Faktoren drängen weg vom Herkunftsort, Pull-Faktoren ziehen zum Zielort.
Informelle Siedlungen werden nur als Orte ohne Perspektive beschrieben.
Viele Bewohner arbeiten, bauen ihre Häuser schrittweise aus und organisieren sich, auch wenn die Bedingungen schwierig sind.
Hinweis zur Klassenstufe
Dieses Thema steht in vielen Bundesländern in Klasse 8 auf dem Lehrplan. Je nach Land und Schulform kann es früher oder später kommen.